Sonntag, 2. Dezember 2012

Metaphern - mehr als ein Thema im Deutschunterricht

Beim Lesen des sehr informativen Artikels auf der Zeit, der sich mit Sprache und deren Auswirkung auf uns und unser Denken beschäftigt, kamen mir natürlich auch Gedanken zu dem Lernen an sich. Besonders die folgenden beiden Absätze erscheinen mir wichtig für unser tägliches Handeln:
Lakoff ist überzeugt: »Wir reden nicht nur in Metaphern, wir denken in Metaphern.« Seine Grundannahme besteht darin, dass Metaphern aus direkten, körperlichen Erfahrungen entstanden sind. Zum Beispiel ist Zuneigung Wärme und umgekehrt: Da ist jemand warmherzig, ein anderer zeigt eher die kalte Schulter. Man kann sich für jemanden erwärmen, und Beziehungen können auch erkalten. »Wenn wir als Kinder von unseren Eltern im Arm gehalten werden, dann spüren wir Wärme. Und gleichzeitig spüren wir Zuneigung. So lernen wir die Verbindung zwischen beiden«, erklärt Lakoff.
Das könnte eine anschauliche Erklärung dafür sein, wie Kinder lernen, über abstrakte Konzepte nachzudenken. Es könnte auch erklären, wie Schüler und Erwachsene komplizierte Sachverhalte erfassen. Tatsächlich zeigt die Lernforschung, dass Metaphern und Analogien es leichter machen, sich neues Wissen anzueignen. Glaubt man Lakoff, sind Analogien wie »Ein Atom ist aufgebaut wie ein Sonnensystem« oder »Ein Antikörper funktioniert wie ein Schlüssel für ein Schloss« nicht bloß pädagogische Hilfsmittel, sondern der Grundmechanismus, mit dem wir schwer zugängliche Konzepte überhaupt erst verstehen – Analogien und Metaphern als unser wichtigstes Denkwerkzeug.
Vivien steuerte auch nach meinem Nachfragen ("Sag mal: ist eine Metapher eine verbalisierte Visualisierung?" - was sich ja ziemlich gut anhört, wie ich finde!) auch gleich eine richtige Definition von Metapher bei:
Ja, eine übertragene bildliche Darstellung, wo Bedeutungen einer anderen Sache auf eine andere übertragen wird, z.B. laufende Nase oder der krähende Mensch
Bisher habe ich die Visualisierungen im Unterricht immer eher wie von Brüning und Saum in ihrem Standardwerk "Erfolgreich unterrichten durch Visualiseren" verwendet. Also eine grafische Umsetzung eines Textes - gerne auch mittels einer concept map. Aber nun sollte ich mir mal überlegen, wie eine Schüleraktivität aussehen könnte, die einen Text in eine Metapher umsetzt. Es gibt gerade in der Biologie ja Beispiele, wo die SuS ihr Wissen auf eine andere, symbolische Ebene heben sollen (z.B. Enzymaktivität und -regulation als Bahnhofsvorhalle etc.). Aber das die SuS selber direkt von dem Text in eine andere Ebene kommen? Das ist wohl auch ziemlich schwer. Aber wir sind ja auch nicht auf dem Ponyhof hier!

Donnerstag, 29. November 2012

another test



 during an engineering test


;)

Margret Rasfeld: Warum Hierarchien verschwinden und neue Führungskompetenzen nötig werden

klick hier zum Video-Beitrag

Margret Rasfeld ist Biologie- und Chemielehrerin mit Zusatzqualifikationen in der Organisationsentwicklung, ThemenzentriertenInteraktion (TZI), Kunst- und Gestaltungstherapie. Nach langjähriger Tätigkeit an Gymnasien hat sie mehrere Schulen aufgebaut, darunter von 1997-2007 als Schulleiterin die vielfach hochrangig ausgezeichnete AGENDA-Schule Essen Holsterhausen. Als Educational Entrepreneur entwickelt sie an der neu gegründeten Evangelischen Gemeinschaftsschule Berlin Zentrum ein anspruchsvolles bundesweit beachtetes Reformprogramm und setzt es mit ihrem engagierten Team um. In "Schulfächern" wie Verantwortung, Herausforderung, Zukunft engagieren sich alle SchülerInnen zwei Jahre lang im Gemeinwesen, meistern dreimal eine dreiwöchige Herausforderung außerhalb von Berlln, wollen blueeconomy umsetzen. Die SchülerInnen bilden GrundschülerInnen zu Klimabotschaftern aus, unterstützen als Sprachbotschafter Kinder in Brennpunktschulen im Unterricht,  sind schon als 13-Jährige Referenten auf Tagungen und führen als Experten in eigener Sache hochnachgefragte Fortbildungen für Schulleiter- und Lehrer eigenständig durch. Allein in 2010 haben die SchülerInnen über 800 Teilnehmer von der neuen Lernkultur begeistert. Margret Rasfeld engagiert sich seit 30 Jahren in der Schul- und Kommunalentwicklung.


Samstag, 22. September 2012

Die neue Kultur des Teilens

Wenn man früher einen Kaffee teilte, dann hatte man am Ende einen halben Kaffee. Wenn man heute im Internet etwas teilt, haben am Ende beide einen ganzen Kaffee - oder zumindest ein Bild davon.

Mayra, 5 Jahre, denkt zur Zeit mehr noch in der Internet-Kategorie "Teilen" - Paul, 6 Jahre, ist schon ein Entwicklungsschritt weiter. 

Wirft uns das Internet also in eine kindliche Phase des Teilens zurück? Ist das gut? Wollen wir das?

Mittwoch, 4. Juli 2012

Grenzen der Kindheit


Vor einigen Tage habe ich auf strangemaps eine Karte entdeckt, die mir schon seit einer GEO Ausgabe im Kopf herumschwirrte, aber nicht mehr richtig fassen konnte. Die besprochene Karte bei strangemaps war eine Karte aus einem Daily Mirror-Artikel, dessen Grundidee schon vor einigen Monaten in der Zeitschrift GEO Verwendung fand: Je weiter wir in die Vergangenheit gehen, desto mehr Bewegungsfreiheit hatten die Kinder. In diesem Falle am Beispiel einer englischen Familie über mehrere Generationen, deren Kinder im Alter von jeweils acht Jahren, verschiedene Aktionsradii hatten: Konnte der Urgroßvater noch alleine fast 10km bis zum nächsten guten Angelplatz laufen, so endet die derzeitige Bewegungsfreitheit am Ende der Strasse! Strange Maps fragt zurecht, ob die kommende Generation in einem Zoo-ähnlichen Ambiente aufwachsen wird.

Auf die schnelle habe ich keine Angaben im Netz gefunden, ob die Kinder heute gefährlicher leben als früher. Ich nehme mal an: Nein. Aber woher kommt die Abnahme des Bewegungsradius? Gibt es bei den Eltern ein grundsätzlicheres Misstrauen gegenüber der Umwelt? Engen die Erwachsenen die Kinder zurecht ein? Ist der Trend zur Ein-Kind-Familie der Grund? Wenn ich nur ein Kind habe, dann kann ich zunächst alle ökonomischen Investitionen bei dem einen Kind fokusieren. Wenn diesem Kind aber etwas zustößt, dann habe ich einen Verlust von 100%. Bei zwei Kindern nur 50%, bei drei 33%, usw. Ich will nicht sagen, dass die Eltern wirklich so denken, aber im Unterbewussten könnte es schon so sein.

Samstag, 23. Juni 2012

Unzählige Fotos als Teil einer neuen Erinnerungskultur

Gestern abend war Abiturfeier. Die Schüler haben einen sehr abwechslungsreichen Abend gestaltet und zeigten unter anderen jeden Schüler als heutigen Menschen und seine Entwicklungsschritte. Manche hatten Baby-Fotos, manche hatten Bilder als Teenager. Was mich aber zum Nachdenken brachte, war, dass die Schüler auch unzählige Bilder von ihren Feiern hatten. Wir Lehrer sahen an diesem Abend natürlich nur einen Bruchteil, aber im Gespräch mit einigen Schülern und Eltern danach, wurde mir bewusst, dass wir in einer Zeit leben, in der sich die Erinnerungskultur grundlegend verändert hat und auch wohl noch verändern wird.

Meine digitale Fotosammlung beginnt im Jahr 2001. Es sind noch kleine Bilder - zunächst mit einer grandiosen Auflösung von 640 Pixe x 480 Pixel, was einer Megapixelauflösung von 0,3 (!) entspricht. Die Bilderreihen werden immer größer, vielfältiger und hochaufgelöster und entsprechend steigt auch der Speicherbedarf. Sind es für das ganze Jahr 2001 noch 171 MB, so umfasst das Jahr 2012 schon 7 GB. Und wir sind noch nicht am Ende des Jahres 2012!

Zurück zu den Abiturzeitbildern. Während ich meine meisten Erinnerung in meinen Kopf aus dieser Zeit aufbewahre und vielleicht 50, 60 Bilder aus meiner gesamten Schulzeit mit Schulfreunden habe, sind die heutigen Schüler weitaus weiter. Wohl alleine ein Tag in ihrem Leben ist mit mehr Fotos verbunden, als meine Bilder aus der gesamten Schulzeit. Jede Feier, jede Stimmung, jedes Zusammentreffen wird dokumentiert, fotografiert, hochgeladen, kommentiert, diskutiert und abgespeichert. Und für eine lange Zeit verfügbar gemacht. Will ich mir ein Bild aus meinen Jugendtagen anschauen, muss ich erst zu meinen Eltern, Kisten durchstöbern, Fotobücher ausfindig machen und dann habe ich vielleicht ein Bild mit einer bestimmten Person. Will ich es teilen, dann muss ich es scannen und hochladen. Facebook habe ich nicht, also per Email. Wenn ich die Emailadresse habe von demjenigen, mit dem ich es teilen möchte.

Meine Erinnerungskultur ist mental und nicht digital, aber dadurch auch anfällig für Veränderungen, die durch spätere Erinnerungen dazukommen. Als Stichwort sei hier nur die Zeitzeugen-Problematik in der Geschichtswissenschaft genannt. Meine Schüler haben alles dokumentiert. Und die Facebook-Kommentare lassen auch die alten Geschichten noch Jahre später frisch erscheinen. Also ein Wechsel der Erinnerungskultur? Wird die Erinnerungskultur unbestechlicher, genauer, detaillierter und dadurch besser? Hätte ich gerne hunderte, tausende Bilder aus meiner Abiturzeit? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Vielleicht. Ich kann manche Dinge vielleicht gar nicht mehr nachvollziehen, wie die Schüler ihre Erinnerungen behandeln. Nicht weil es schlechter oder besser ist. Weil es anders ist. Wird eine Erinnerung gesucht, so ist das Bild dazu nur ein paar Mausklicks entfernt. Vielleicht wirke ich jetzt schon so seltsam wie manche Schulleiter auf mich, die immer alles ausgedruckt brauchen. Sie stammen dann nochmal aus einer anderen Zeit. Zeiten ändern dich.