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Donnerstag, 28. November 2013

PISA 2012 - es geht immer weiter

Vielleicht, vielleicht, vielleicht... Allenthalben hört man von der Gefahr, dass Google ja nur einem die Webseiten bei den Suchergebnissen zeigt, die wahrscheinlich selber gut findet und man sich praktisch in einer Google-Blase befindet und man keine neuen Seiten finden kann und daher auch keine neuen Erkenntnisse, keine Weiterentwicklungen möglich sind. Vielleicht stimmt das. Allerdings mag ich bezweifeln, ob sich ein BILD-Leser vor 20 Jahren einfach mal ne taz gekauft hätte, um zu schauen, ob die Wirklichkeiten in der BILD und der taz übereinstimmen. Lange Rede, kurzer Sinn: Ich lese gerne die Nachdenkseiten und die sind nun mal kritisch gegenüber den PISA-Studien und deren Ergebnissen. Auch in anderen Zusammenhängen suche ich wohl eher die kritische Haltung gegenüber PISA - vielleicht aus den Gründen, die schon vor fast zwei Jahren geschrieben habe.
Jetzt erscheint PISA 2012 und in den Nachdenkseiten ist wieder ein schönes Interview mit einem Didaktik-Professor der Mathematik, der im Endeffekt die PISA-Studien an sich anzweifelt. Schön fand ich diese Passage:
Ja, man muss einfach anerkennen, dass es eine großartige Marketing-Leistung war, 40 Regierungen dazu zu bringen, eine dreistellige Millionensumme pro Durchgang lockerzumachen für einen Test, der keinerlei handlungsrelevantes Wissen erzeugt. Es gibt keine politische Entscheidung, die aus PISA ableitbar wäre – auch wenn es natürlich viele Entscheidungen gibt, die man mit PISA legitimiert.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Pisa revisited - Fremdevaluation ad absurdum

Die Nachdenkseiten haben in ihren tagesaktuellen Anmerkungen wieder lesenswertes über Pisa. In der Zeit wurde nämlich festgestellt, dass die deutschen Schüler und Schülerinnen im Jahre 2009 besser abschneiden als im Jahre 2000. Die Zeit analysiert auch gleich, warum dies so ist und auch der Bildungsforscher Klieme kommt zu dem Schluss: 80% der Veränderung von PISA-Testwerten kann auf Veränderungen in der Zusammensetzung der Untersuchungsgruppe der 15-Jährigen zurückgeführt werden. 
Also keine große strukturelle Veränderung, keine Reform hat dies bewirkt, sondern einfach kleine Änderungen, die sich auf die zu untersuchende Substanz (hier: Schüler) auswirkt. Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist dies natürlich alles fragwürdig, da ich ja nicht mit denselben Schülern unterschiedliche Lernszenarien durchspielen kann. In naturwissenschaftlichen Experimenten darf ich immer nur einen Faktor ändern, damit ich erfahre, wo nun die Veränderung ihren Ursprung hatte. In den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern ist dies nicht möglich und so öffne ich natürlich jeder Interpretation und Manipulation Tür und Tor. Dazu nochmal ein spannender Hinweis von den Nachdenkseiten:
Bereits vor 40 Jahren hat der Sozialforscher Donald T. Campbell gezeigt, dass Fremdevaluation notwendigerweise zu Korruption führt (also zu Verfälschungen der Daten auf allen Ebenen der Erhebung und Analyse), die sie wertlos macht. David Berliner und seine Kollegen von der Universität von Arizona haben anhand vieler Daten über die Einführung von sanktionsbewehrten Schulleistungstests in den USA (und deren Auswirkung auf die Schulleistungen und die Verfälschung von Daten) nachgewiesen, dass “Campbell’s Law” auch und gerade im Bildungsbereich voll zutrifft. Meyerhöfer hat zudem gezeigt, dass der Einsatz von PISA-Tests und ähnlichen Tests zu mehr “Testschlauheit” führt, aber nicht unbedingt zu einer Zunahme der Kompetenz, die diese Tests messen sollen.
Streng genommen brauche ich also diese ganzen Fremdevaluationen nicht, da sie nur aufzeigen, wie effizient ein System mit einer Außenkontrolle umgeht. Aber das ist ja vielleicht auch ein Erfolg.

Samstag, 28. Januar 2012

Von Finnland zu China: Wechselnde Vorbilder als PISA-Konsequenz

Seit Beginn verfolge ich den PISA-Test, die Ergebnisse und den blinden Aktionismus danach mehr kritisch als wohlwollend. Vielleicht war es zu Beginn nur der klassischen Reflex auf ein unglaubliches Ergebnis, das meine deutsche Schüler-/Lehrerehre verletzte - auch wenn ich nie als Schüler auf einem Gymnasium war und in einer Gesamtschule sozialisiert wurde.
Dann kam ich durch weitere Lektüre darauf, das die OECD eine Organisation ist, welche die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Namen trägt und folgerichtig im PISA-Test  Mathematik, Lesekompetenz, Naturwissenschaften funktionale, unmittelbar (für die Volkswirtschaften) nützliche Kompetenzen abfragt. Klar.
Also geht die Ökonomisierung der Gesellschaft immer weiter und macht auch vor den Bildungseinrichtungen keinen Halt. Ob man dies nun gutheißt oder nicht ist eher zweitrangig - man muss sich nur im Klaren sein, das dies so ist. Der PISA-Test verfolgt keine humanistische Bildungsideale und will es auch gar nicht.
Nun lese ich auf den Nachdenkseiten, dass die Stadt Shanghai dieses Mal an PISA teilnahm und aus den Stand heraus auf dem ersten Platz landete. Also: Nicht länger finnische Schulen, sondern chinesische Schulen als Vorbild für deutsche Schüler? Was erwartet uns? Laut dem Deutschlandradio, die ein Feature dazu veröffentlichten:
Chinas Kinder pauken. Wenn europäische Kinder längst mit ihren Freunden um die Häuser ziehen, fernsehen oder einfach schlafen, sitzen junge Chinesen am Schreibtisch. Einheitliche Bildungsstandards, eine Kultur harter Lerndisziplin, hoher Leistungsdruck und ehrgeizige Eltern: Das alles steht hinter Shanghais guten PISA-Noten.
In Sachen Kreativität stehen die Chinesen nicht ganz so gut da. Dazu nochmal die Orlando Pascheit von den Nachdenkseiten:
In einer Studie in 21 Ländern (2010), die auch in China Aufsehen erregte, kamen chinesische Schüler bei Fantasie auf den letzten Platz und nahmen bei Kreativität den fünfletzten Rang ein. [...] Aber soziale und praktische Fähigkeiten, Urteilsvermögen, kritisches Denken, Teamfähigkeit unter den Tisch fallen. 
Vielleicht sollte man weniger blinden Aktionismus betreiben, sondern im Kern überlegen, was man eigentlich will, was die Schule leisten kann und soll, ob wir am Ende mündige Bürger sehen wollen oder ob es für die Gesellschaft bzw. "die Märkte" sinnvoller ist, dass man reine Konsumenten hervorbringt.