Immer wieder fiel uns auf, dass wir sagten, die Schule sei der einzige Ort, an dem man nach Geburtsjahrgängen sortiert wird und nicht nach reellen Entwicklungsstand. Selten, dass jemand eine Klasse überspringt - eher hat man Sitzenbleiben und selbst diese Praktik steht zur Zeit in scharfer Kritik. Im Studium werden wir nicht die Studierenden nach Alter einordnen - da kann man durchaus mal mit jemanden im Seminar sitzen, der schon einige Jahre älter als man selbst ist. Komisch, dass dies an der Uni geht, aber nicht an der Schule. In der Oberstufe beginnt diese "Ungleichzeitigkeit" der Alterskohorten, da die Schüler dort nach einer eigenen, individuellen Lernbiografie ankommen und diese eben nicht immer gradlinig verläuft. Im Büro, in der Firma, bei der Arbeit - überall spielt das Geburtsjahr eine untergeordnete Rolle. Warum also in der Schule? Weil es einfacher zu organisieren ist. Man nehme alle Kinder ab 6 Jahren und beginne sie zu beschulen. Mit möglichst wenig Lehrkräften auf möglichst wenig Platz. Damit die Struktur gewahrt bleibt, fügen wir noch eine Klingel ein, damit Lernende und Lehrende weiß, dass nun ein anderes Wissensgebiet drankommt. Fertig ist das System Schule.
Aber die Trennung nach Alterskohorten und (wie früher in den Schulen auch) nach Geschlechtern kennen wir doch noch aus einem anderen Zusammenhang: Dem Sport. Bei Wettkämpfen wird zwecks der Vergleichbarkeit von Leistungen immer unter den (etwa) gleichalten Sportlern verglichen. Also bedeutet dies im Umkehrschluss, dass die Schule eigentlich ein Wettkampf ist, in dem die Noten darüber entscheiden, wer "Erster" ist. Ohne das weite Feld der Subjektivität der Notengebung aufreißen zu wollen: Auch das Banale muss manchmal benannt werden. Wie mein Pädagogikprofessor immer zu sagen pflegte.
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Samstag, 20. Juli 2013
Samstag, 26. November 2011
Geisterkonzepte
Maik Riecken schrieb in seinem Blog:
Geisterkonzepte
Wir produzieren in Niedersachsen an den Schule zurzeit viele Konzepte. Die Produktionsrate steigt im Vorfeld einer Inspektion dabei erheblich an. Viele davon sind schön geschrieben und voller Kompetenzbuzzwords. Wie viele werden gelebt? Wie misst man das Gelebtwerden von Konzepten durch z.B. eine Evaluation? Wie lebt man geschätzte 20 Konzepte gleichzeitig anm ein und derselben Schule? Ein nicht gelebtes Konzept ist halt so da – ein Produkt, was man vorzeigen kann. Es ist aber ohne die Handlung, die dichotomisch zu ihm gehören muss, wenn es einen Wert haben soll, nicht real. Es ist dann ein Geist. Für die einen ein guter, weil er die Inspektoren beglückt, für die anderen ein abgrundtief böser, weil er die Ressourcen Zeit und Wahrnehmung ohne Gegenleistung verschwendet. Drei wirklich gelebte Konzepte an einer Schule. Wäre das nicht eine Basis?Ich glaube, dass dies keine niedersächsische Spezialiät ist, sondern überall an den Schulen passiert. Schön klingende Schlagwörter werden aufgegriffen und irgendwie in das Schul-"Konzept" eingepasst... Die Frage ist wirklich: Wieviele Konzepte können an einer Schule gleichzeitig gelebt werden? Zwei? Drei? Zehn? Je nach Fachschaft? Eigentlich nur eines, von dem sich dann alle anderen Konzepte logisch ableiten lassen, oder?
Mittwoch, 23. November 2011
Das Jahrhundert des Kindes
Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Da wird das 20. Jahrhundert zum Jahrhundert des Kindes ausgerufen und schon - zack - ist es 2011 und die wesentlichen Kritikpunkte sind immer noch da. Da Buch hatte ich mal im Studium gelesen und ist mir gerade in die Hände gefallen (oder eher: durch ein PDF ins Auge gestossen)
“Der Schule der Jetztzeit ist etwas gelungen, das nach den Naturgesetzen unmöglich sein soll: die Vernichtung eines einmal vorhanden gewesenen Stoffes. Der Kenntnisdrang, die Selbsttätigkeit und die Beobachtungsgabe, die die Kinder dorthin mitbringen, sind nach Schluss der Schulzeit in der Regel verschwunden, ohne sich in Kenntnisse oder Interessen umgesetzt zu haben. Das ist das Resultat, wenn die Kinder ungefähr vom sechsten bis zum achtzehnten Jahre ihr Leben auf Schulbänken damit zugebracht haben, Stunde für Stunde, Monat für Monat, Semester für Semester, Kenntnisse zuerst in Teelöffel-, dann in Dessertlöffel- und schließlich in Esslöffelportionen einzunehmen, Mixturen, die der Lehrer oft aus Darstellungen aus vierter oder fünfter Hand zusammengebraut hat.“
Ellen Key (1900), Das Jahrhundert des Kindes. Berlin, 13.Aufl. 1905, 221/2
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